Hol es!

In der hundgestützten Pädagogik verwende ich jegliche Formen des Apportierens sehr gerne, denn das Holen und Bringen von Gegenständen beinhaltet - wie ich finde - viele positive Faktoren für den Unterricht. Da wären zum Beispiel die folgenden:
  • Entspannung: Während der Hund seine Arbeit erledigt, nehmen die Schüler*innen meistens eine beobachtende Rolle ein. In dieser Zeit müssen sie nichts leisten und es werden auch keine Ansprüche an sie gestellt. Somit können sie in dieser kurzen Zeit durchatmen, die Anspannung und Stress, den sie während des Lernens aufgebaut haben, abschütteln und den Fokus neu einstellen. Während der Körper die eigenen Stresshormone langsam herunterfährt, werden Morphium freigesetzt, die Blutgefässe geweitet und der Blutdruck gesenkt - das Kind kommt in die Entspannung.
  • Vorfreude: Durch das Mitverfolgen der hundgestützten Tätigkeit bauen die Schüler*innen vermutlich eine Erwartungshaltung auf. Sie sind gespannt darauf, was der Hund bringt und wie er seine Aufgabe erledigt. Diese Vorfreude senkt nachweislich den Stresspegel, das heisst dass ihr angestautes Level an Cortisol und Adrenalin sinkt - das Kind fällt in einen Entspannungsmodus.
  • Soziales Lernen: Die Schüler*innen können mitverfolgen, wie der Hund mit Leistungsansprüchen umgeht und wie der Mensch ein Kommando gibt, den Hund lobt oder - falls die Aufgabe nicht oder nur teilweise erfüllt wurde - umlenkt oder neu losschickt. Sie bemerken, dass auch Hunde lernen und Fehler machen und können diese Erkenntnis idealerweise auf sich beziehen. Nebst den Spiegelneuronen hat dabei auch die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin, des Erfolgshormons Dopamin oder des Glückshormons Endorphin einen wesentlichen Einfluss, um den Lernerfolg zu ermöglichen.
Diese drei Punkte beinhalten bestimmt nicht alle Wirkmöglichkeiten und können auch auf andere Elemente der hundgestützten Pädagogik übertragen werden.


Für den Hund ist "Apportieren" genauso wie jeder andere Trick (z.B. Sitz, Platz, Rolle, Männchen u.v.m.) ein erlerntes Kommando, wobei er auf einen Wort oder eine Geste ein bestimmtes Verhalten zeigt. Für einen apportierfreudigen Hund wie Takeshi also eine ideale Lösung, um sowohl den Kindern einen Gefallen zu machen (s.o.), als auch selbst freudig und energetisch mitzuwirken.



Im Unterricht kann man das Apportieren beispielsweise wie folgt einsetzen:
  • Ein "Intelligenzspielzeug" für den Hund (z.B. Nina Ottosson Dog Smart oder My Intelligent Pets Mandala & Star sowie viele weitere) kann umfunktioniert werden, indem man in die Öffnungen auf der Unterseite einen beschriebenen und gefalteten Zettel steckt.
  • Schlüsselanhänger bieten sich aufgrund ihrer Form optimal fürs Apportieren an. An die Enden lassen sich (laminierte) Blätter oder Gegenstände hängen, die dann vom Hund gebracht werden. Ich verwende die Schlüsselanhänger bei fast jeder Gelegenheit, da sie vom Hund quasi mühelos vom Boden aufgegriffen und von den Schüler*innen einfach abgenommen werden können.
  • An eine Leine können mit Wäscheklammern ebenso diverse Objekte aufgehängt werden. Für den Alltag kann man wiederum gefaltete Zettel anheften oder auch mal befüllte Socken - was sich beispielsweise für ein Adventsritual eignen würde.
  • Mit beschrifteten Dummy oder befüllbaren Preydummy lassen sich ebenso viele verschiedene Möglichkeiten umsetzen. Mit Zahlen beschriftete Dummys können beispielsweise im Mathematikunterricht eingesetzt und die befüllten Dummys als Alternative zu den Storycubes genutzt werden.

Auch diese Aufzählung ist nicht vollständig und soll von jeder Lehrperson entsprechend ihren Ideen und der Voraussetzungen der Klasse und des Hundes angepasst/weiterentwickelt werden.