Vertrauen und Getrauen

Wie die Studie von Schuck et. al (2018) feststellen konnte, kann der Einsatz eines Therapiehundes zu gesteigerten prosozialen Fähigkeiten führen.
(Schuck, S. E. B., Emmerson, N. A., Abdullah, M. M., Fine, A. H., Stehli, A., Lakes, K. D. (2018). A Randomizes Controlled Trial of Traditional Psychosocial and Canine-Assisted Interventions for Children with ADHD. Human-Animal Interaction Bulletin 6 (1), 64-80.)


Genau diese Tatsache machten wir uns in einer Klasse zu Nutze unter dem Motto "Vertrauen und Getrauen": Die Schülerinnen und Schüler sollten Vertrauen in ihre MitschülerInnen, den Hund und mich aufbauen und sich gleichzeitig getrauen, in eine ungewohnte Interaktion mit Takeshi zu treten.


Wir liessen Paare bilden. Dabei durften die Kinder selber bestimmen, mit wem sie gerne zusammen sein möchten. Einschlusskriterium für die Paarbildung war, dass sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig ausreichend vertrauten. Da die Übung zur Verbesserung und Stabilisierung des Gruppenzusammenhalts diente, wurde als Ausschlusskriterium festgelegt, dass "beste Freunde" nicht zusammen sein durften.
Jedes Mitglied der Paarbildungen wurde anschliessend gefragt, ob es sich wohl fühlte und sich die Zusammenarbeit vorstellen konnte.
Anschliessend erhielten die Paare Zeit für gegenseitige Absprachen. Sie mussten klar formulieren, was sie wollten und was für sie gar nicht vorstellbar war.


Danach folgte die eigentliche Übung zum Vertrauen und Getrauen.
Jeweils ein Kind des Paares legte sich auf den Boden, wahlweise auf den Bauch oder auf den Rücken. Das Partnerkind sollte nun einen Keks an einem abgemachten Ort platzieren. Das am Boden liegende Kind musste also Vertrauen in sein Partnerkind haben, dass sich dieses an die Abmachung hielt.
Natürlich haben wir im Voraus für alle Gruppen festgelegt, dass das Gesicht und der Intimbereich bei allen Kindern Tabuzonen sind.


Sobald der Keks platziert wurde, durfte sich Takeshi vorsichtlich nähern und den Keks fressen. Hier mussten die Schülerinnen und Schüler Vertrauen in mich haben, dass ich Takeshi voll und ganz unter Kontrolle habe. Gleichzeitig mussten sie Vertrauen in Takeshi haben, dass er den Keks  sanft wegnahm und sie mussten sich selbst getrauen, diese Übung mitzumachen.
Danach wurden die Rollen getauscht.



An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass selbstverständlich alle Kinder immer die Option hatten, jederzeit aus der Übung auszusteigen.
Für ängstlichere Kinder gab es nebst dem Übungsabbruch auch die Möglichkeit, dass ich den Keks in meiner Hand - oder das Partnerkind in seiner Hand - über dem Kind schweben lasse und Takeshi ihn von meiner Hand isst.


Es war faszinierend, dass sich alle Kinder getrauten und auf diese Übung einliessen und dass sie sich gegenseitig und uns vertrauten.
Am Ende haben wir uns alle gegenseitig gelobt und uns selbst auf die Schulter geklopft.

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