Morgens vor dem Unterricht

Hat man sich dazu entschlossen, einen Hund als Co-Pädagogen in seinen Unterrichtsalltag zu integrieren, so verändern sich damit auch quasi alle Routinen,  die man sich in den letzten Jahren angeeignet hat. So elaboriert die Strategien auch sein mögen, die uns täglich die Arbeitsorganisation erleichtern - beispielsweise wie man sich auf seinen Unterricht vorbereitet, wie weit im Voraus man die Grobplanungen erstellt, wann man das Material für die einzelnen Lektionen bereitlegt, wann man die Beobachtungen ins Office einträgt, die Gespräche oder die Sitzungen in den Klassenteams koordiniert und plant - so wenig können sie starr und reibungsfrei mit Schulbegleithund angewendet werden.
Die Änderungen durchziehen dabei den gesamten Tag und beginnen schon früh morgens beim Klingeln des Weckers. In meiner Unterrichtspraxis bedeutet dies, dass ich bereits einige Minuten früher aufstehe, um das Futter für meinen Hund vorzubereiten. Da wir ihn barfen bedeutet dies, dass ich Früchte und Gemüse schnippeln oder pürieren muss, welches ich zusammen mit Fleisch und weiteren Zutaten vermenge, bevor ich es ihm zum Schlemmen reiche. Danach folgt meine Körperhygiene, bevor wir gemeinsam ins Auto steigen, um noch vor 6 Uhr auf der Autobahn in Richtung Schule unterwegs zu sein. Während Takeshi sich nochmals zur Ruhe legt und sein Verdauungsnickerchen hält, plane ich im Kopf die nächsten Schritte.
Sobald wir angekommen sind, folgt zuerst eine Schnüffelrunde vom Auto zum Büro - schliesslich darf auch Takeshi "Zeitung lesen", da ihm nicht entfallen ist, dass sich seit dem Vortag andere Tiere auf diesen grünen Streifen versäubert haben - bevor ich meinen Laptop aufstarte und meine Mails bearbeite. Die Unterrichtsmaterialien - welche ich am Tag zuvor bereitgelegt habe - werden nochmals auf Vollständigkeit hin geprüft und in die entsprechenden Klassenzimmer gelegt.
Danach schnappe ich mir die Leine und führe Takeshi aus. Wie im Bild ersichtlich ist es vor allem in den Wintermonaten noch stockdunkel und eiskalt. Daher habe ich auch immer Wechselklamotten dabei, damit ich nachher weder verschwitzt, noch erforen, unterrichten kann. Takeshi's Halsband kriegt ein Licht angeklebt und ich bewaffne mich mit einer Stirnlampe. Zweimal wöchentlich treffen wir uns dann mit dem anderen Schulhund und lassen die beiden über die Wiesen sprinten, während wir uns bei einem gemütlichen Spaziergang unterhalten. An den anderen Tagen sorge ich für das frühmorgendliche Beschäftigungsprogramm, indem ich Futterbeutel werfe oder verstecke, den Rückruf trainiere oder Elemente aus dem "Wald-Agility" einflechte. Dabei lasse ich ihm auch genügend Zeit, um zu schnüffeln und seine Umgebung zu explorieren.

Zurück im Schulhaus muss der Hund zuerst ordentlich gesäubert werden. Etwas einfacher hat man es hier, wenn die Wiesen draussen noch eingefroren sind. Ansonsten muss gewaschen, getrocknet und gebürstet werden, bevor Takeshi nochmals wenige Minuten ruhen kann, während ich im Lehrerzimmer, auf dem Schulhausflur oder in den Klassenzimmern unterrichtsrelevante Gespräche mit den Lehrerkolleg*innen führe.
Sobald ich die Unterrichts-Leine mit dem Unterrichts-Halsband in die Hand nehme, steht Takeshi freudig auf und begleitet mich in die Klassen. Erst jetzt fängt unser Unterricht an - die Kinder trudeln langsam ein, Takeshi nimmt sie schwanzwedelnd in Empfang, es folgen manchmal Elemente aus der Kynopädagogik, manchmal "normaler" Unterricht, wobei ich auf jeden Fall auf einen ausgelasteten, zufriedenen Hund vertrauen kann, der sich nach wenigen Minuten hinlegt und den "Schlaf der Gerechten" schläft. Dieser zufriedene Zustand meines Hundes überträgt sich auf mich und die Schüler*innen, so dass alle konzentriert, ruhig und mit guter Stimmung mit der "effektiven Arbeit" beginnen.

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